Außergewöhnlich, einzigartig und authentisch? UNESCO Welterbe!

Wie wird ein Denkmal eigentlich zum Welterbe erklärt? Und nach welchen Kriterien wird ausgewählt, wer den begehrten Titel erhält?

UNESCO Welterbestätten

Auf der Liste der deutschen UNESCO Welterbestätte stehen derzeit 39 Natur- und Kulturdenkmäler. Weltweit sind es über 1.007 Natur- und Kulturdenkmäler. Mit dabei sind zum Beispiel die Altstadt von Wismar und Stralsund, das Bauhaus und seine Stätten in Dessau und Weimar, sowie die Buchenwälder der Karpaten und die Alten Buchenwälder Deutschlands. Sie alle vereint ihr außergewöhnlicher, universeller Wert, ihre Einzigartigkeit und Authentizität / Integrität – die drei wichtigsten Kriterien zur Aufnahme auf die Welterbeliste. Sie wurden 1972 im Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention) festgeschrieben.
Zudem muss ein „überzeugender Erhaltungsplan“ für das Kulturerbe oder Naturerbe vorliegen – denn mit der Aufnahme auf die Welterbeliste ist der Erhalt und Schutz der Stätte verbunden.
Bevor eine neue Stätte als Welterbe aufgenommen werden kann, muss sie die Hürde der Nominierung nehmen.

Nominierung zum Welterbe

Die 191 Vertragsstaaten, welche die Welterbekonvention unterzeichnet haben, müssen sogenannte „tentantiv lists“ führen, also Vorschlagslisten für zukünftige Nominierungen. In Deutschland übernehmen diese Aufgabe die Bundesländer in der Kultusministerkonferenz.
Die jeweiligen Staaten beantragen anschließend die Nominierung einzelner Welterbestätten beim Welterbezentrum in Paris. Für Deutschland wurde 2015 über die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus in Hamburg und den Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut entschieden.
UPDATE: 2016 ist das architektonische Werk von Le Corbusier nominiert. In dieser länderübergreifenden Nominierung sind auch zwei Häuser der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart enthalten.

Insgesamt werden [Anm.: 2015!] 36 Nominierungen bzw. Anträge auf Erweiterungen besprochen:

Naturerbe:
  • Mongolei / Russland: Landschaften in Daurien
  • Sudan: Meeres-Nationalparks Sanganeb-Atoll und Dungonab-Bucht
  • Thailand: Waldkomplex Kaeng Krachan
Kultur- und Naturerbe:
  • Jamaika: Blue and John Crow Mountains
Kulturerbe:
  • China: Tusi-Stätten
  • Dänemark: Herrnhuter-Siedlung Christiansfeld
  • Dänemark: Parforcejagdlandschaft in Nordseeland
  • Dänemark / Deutschland / Island / Lettland / Norwegen: Wikingerstätten in Nordeuropa
  • Deutschland: Hamburger Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus
  • Deutschland: Naumburger Dom und hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut
  • Frankreich: Climats – Weinbauparzellen in Burgund
  • Frankreich: Weinberge, Weinhäuser und -keller der Champagne
  • Großbritannien: Die Forth Bridge
  • Iran: Susa
  • Iran: Kulturlandschaft von Maymand
  • Israel: Nekropole Bet She’arim – Wahrzeichen der jüdischen Erneuerung
  • Italien: Arabisch-normannisches Palermo und Kathedralen von Cefalú und Monreale
  • Japan: Stätten der industriellen Revolution in der Meiji-Zeit: Kyushu, Yamaguchi und zugehörige Gebiete
  • Jordanien: Taufstätte „Bethanien jenseits des Jordans“ (Al-Maghtas)
  • Kenia: Kulturlandschaft von Thimlich Ohinga
  • Republik Korea (Südkorea): Historische Stätten der Baekje-Dynastie
  • Mexiko: Aquädukt von Padre Tembleque
  • Mongolei: Heiliger Berg Burkhan Khaldun und umliegende heilige Landschaft
  • Norwegen: Stätten der Industriekultur in Rjukan und Notodden
  • Saudi-Arabien: Felszeichnungen in Ha’il
  • Singapur: Botanischer Garten von Singapur
  • Spanien: Weinbaugebiete in Rioja und Rioja Alavesa
  • Türkei: Ephesus
  • Türkei: Festung von Diyarbakır und Kulturlandschaft Hevsel-Gärten
  • Uganda: Felsmalereien in Ostuganda
  • Uruguay: Industrielandschaft von Fray Bentos
  • Vereinigte Staaten von Amerika: Missionsstationen in San Antonio
Anträge auf Erweiterung:
  • Spanien: Pilgerrouten nach Santiago in Nordspanien (Erweiterung der Welterbestätte „Pilgerweg nach Santiago de Compostela“, Weltkulturerbe seit 1993)
  • Südafrika: Schutzregion Cape Floral (seit 2004 Weltnaturerbe)
  • Vietnam: Nationalpark Phong Nha – Ke Bang (seit 2003 Weltnaturerbe)
Anträge auf Änderung der Grenzen von Welterbestätten:
  • Georgien: Kloster Gelati (Weltkulturerbe seit 1994; bedeutende Änderung der Grenzen des Welterbegebiets „Bagrati-Kathedrale in Kutaissi und Kloster Gelati“)

UPDATE: Die für 2016 nominierten 26 Projekte findest du auf der Website der UNESCO.

Auswahlprozess & Entscheidung

Der Internationale Rat für Denkmalschutz (ICOMOS) und die Weltnaturschutzunion (IUCN) prüfen alle Nominierungen und sprechen anschließend eine Empfehlung an das Welterbekomitee aus. Die Hamburger Speicherstadt hat ICOMOS überzeugt und eine Empfehlung für die Aufnahme in die Welterbeliste erhalten. Nicht jedoch der Naumburger Dom mit der Saale-Unstrut-Region, die ein eher undiplomatisches Urteil erhalten haben.

Die finale Entscheidung trifft jedoch das UNESCO Welterbekomitee und kann sich bei seiner Entscheidung über die Empfehlung von ICOMOS und IUCN hinwegsetzen.

Sitzung des Welterbekomitees

Bei seiner jährlichen Sitzung tagt das UNESCO Welterbe Komitee und entscheidet über Neuzugänge und Erweiterungen der Welterbeliste, aber auch über die Aufnahme gefährdeter Welterbestätten auf die „Rote Liste“. Dabei prüfen sie, ob die eingereichten Vorschläge mindestens einem der zehn Kriterien für ein Welterbe entsprechen. 2015 tagt das Komitee vom 28.06. bis zum 08.07. in Bonn.

Die 10 Kriterien

„Das Komitee betrachtet ein Gut als von außergewöhnlichem universellem Wert, wenn das Gut einem oder mehreren der folgenden Kriterien entspricht. Angemeldete Güter sollten daher:

  1. ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft darstellen;
  2. für einen Zeit- oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen;
  3. ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur darstellen;
  4. ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheits-Geschichte versinnbildlichen;
  5. ein hervorragendes Beispiel einer überlieferten menschlichen Siedlungsform, Boden- oder Meeresnutzung darstellen,die für eine oder mehrere bestimmte Kulturen typisch ist, oder der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt, insbesondere, wenn diese unter dem Druck unaufhaltsamen Wandels vom Untergang bedroht wird;
  6. in unmittelbarer oder erkennbarer Weise mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft sein. (Das Komitee ist der Ansicht, dass dieses Kriterium in der Regel nur in Verbindung mit einem weiteren Kriterium angewandt werden sollte);
  7. überragende Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung aufweisen;
  8. außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte darstellen, einschließlich der Entwicklung des Lebens, wesentlicher im Gang befindlicher geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen oder wesentlicher geomorphologischer oder physiographischer Merkmale;
  9. außergewöhnliche Beispiele bedeutender im Gang befindlicher ökologischer und biologischer Prozesse in der Evolution und Entwicklung von Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeres-Ökosystemen sowie Pflanzen- und Tiergemeinschaften darstellen;
  10. die für die In-situ-Erhaltung der biologischen Vielfalt bedeutendsten und typischsten Lebensräume enthalten, einschließlich solcher, die bedrohte Arten enthalten, welche aus wissenschaftlichen Gründen oder ihrer Erhaltung wegen von außergewöhnlichem universellem Wert sind.“

Über meinen Twitter-Account (@stadtsatz) werde ich euch Informationen zu den neuen Welterbestätten bereit stellen.

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