Street-Art in Reykjavík

Bevor ich nach Island flog, wollte ich vor allem die traumhaften Landschaften entdecken, von denen ich zum Beispiel bei Just Travelous laß. Die Vulkane, Fjorde und kargen Landschaften standen und stehen ganz oben auf meiner Hitliste. Obwohl Reykjavík die isländische Hauptstadt und die größte Stadt des Landes ist, erwartete ich nicht mehr, als ein kleines, verträumtes Städtchen. Die Realität sah dann ganz anders aus, auch was meine Reisepläne anbelangte.

Schneestürme machten mir einen ordentlichen Strich durch die Planungen. Ich hatte zwar ein Auto mit Allradantrieb und den – in Island typischen – Spikes in den Reifen gemietet, aber das alles nützt nichts, wenn die Straßen tagelang gesperrt werden. Notgedrungen, aber nicht weniger optimistisch, erkundete ich also zunächst Reykjavík – und war überrascht von der quirligen, kleinen Stadt. Schnell sprangen mir die zahlreichen bunten Fassaden und Graffitis in die Augen, die sich hinter fast jedem Flur, an jedem Gebäude und jedem Bauzaun befanden.

Ich hatte eine neue Vision: trotz eisiger Kälte und Fieber wollte ich unbedingt noch mehr Street-Art in Reykjavík sehen!

Das spannendste an der isländischen Street-Art-Szene ist, dass die meisten Kunstwerke offiziell genehmigt und/oder beauftragt worden sind, also recht wenig im Untergrund passiert. Viele der riesigen Wandbilder basieren auf Fantasiefiguren und sind gepaart mit witzigen oder intelligenten Versen. Einige entstanden als #wallpoetry beim Iceland-Airwaves-Festival, einem Musik-Festival das 2015 in Kooperation mit Urban Nation (Berlin) veranstaltet wurde. Bei diesem Projekt brachte man kreative Köpfe unterschiedlicher Genres zusammen. Die Künstler ließen sich von Gedichten, Liedern und Zitaten inspirieren und gestalteten dazu passende Wandbilder. So entstand über die ganze Stadt hinweg fantastische Street-Art!

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Fototour: Street-Art in Reykjavík

Dieses Graffiti hat eine tolle Hintergrundgeschichte: Der australische Künstler Guido van Helten klingelte an der Tür des Hauseigentümers und verewigte an Hand eines Fotos, das der Hauseigentümer ihm gab, dessen Großvater an der Fassade des Familienhauses.

Great #mural from @guidovanhelten in #Reykjavík

Ein von ↟↟ a n e t t r i n g ↟↟ (@stadtsatz) gepostetes Foto am

Drei Murals, ebenfalls von Guido van Helten, auf dem Loftkastalinn Gebäude, einem alten Theater, das heute u.a. auch einen Skatepark beherbergt. Der Eigentümer beauftragte van Helten, nachdem er dessen Graffiti eines Opas in der Nähe entdeckte (siehe oben). Van Helten verwendete als Vorlage alte Fotografien von Andrés Kolbeinsson, die er im Archiv des Reykjavík Museum of Photography fand. Zu sehen sind Szenen aus Jean-Paul Sartres „No Exit“ (dt.: „Geschlossene Gesellschaft“), das 1961 in Reykjavík aufgeführt wurde. Die Graffitis zeigen die Charaktere Inès Serrano, Estelle Rigault und Joseph Garcin, die von Erlingur Gíslason, Kristbjörg Kjeld und Helga Löve gespielt wurden.

Schöner Zufall: Helga Löves Tochter entdeckte zufällig van Helten, als dieser gerade ihre Mutter malte!

Street-Art von Sara Riel und Davíð Örn Halldórsson – „Cultivate Your Own Garden“ ist Teil der „Kingdoms of Plants“-Serie, in der sie das Reich der Pflanzen darstellen. Wunderbar kleinteilig!

#wallpoetry: Graffiti der Künstlerin Elle in Kooperation mit der Band Ulfur Ulfur, die ich euch hier bereits kurz vorgestellt habe. Sie ließ sich von deren Lied „Tuttugu og Eitthvað“ inspirieren.

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Graffiti von DEIH XLF, der sich durch das Lied „waterfalll“ von VÖK inspirieren ließ.

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Graffiti der Künstlerin Caratoes, inspiriert durch das Lied „Óður til móður“ von Ylja.

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XXL Graffiti von Evoca1, inspiriert durch das Lied „Gonna Make Time“ von Saun & Starr.

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Mural von Tankpetrol in Zusammenarbeit mit der Band Gus Gus, von derren Lied „Over“ das Werk inspiriert ist. Tankpetrol zeigt auf seine Facebook-Seite auch ein paar Fotos zur Entstehung des riesigen Wandbildes.

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Riesiges Mural des Künstlers D*FACE, das im Rahmen der #wallpoetry beim Iceland-Airwaves-Festival 2015 entstand. Er ließ sich bei diesem Werk von der Laxdæla Saga*, eine der ältesten, längsten und komplexesten Island-Sagas, inspirieren.

Diverse coole Street-Art / Graffiti-Projekte in Reyjkavik, denen ich leider (noch) keine konkreten Künstlern zuordnen konnte.

Interessierst du dich für großformatige Graffitis und coole Street-Art?

Dann habe ich noch einen Tipp für dich: Über meine Instagram– und Facebook-Profile verlose ich das Buch „Graffiti XXL“ von MadC. Poste einfach unter diesem Facebook-Post oder bei Instagram (Hashtag: #GraffitiXXL, Tag: @stadtsatz) die beste Street-Art und die coolsten Graffitis, die du bisher gesehen hast.

Eine kleine Einführung ins Thema XXL-Graffitis, den Buchtipp und die offiziellen Teilnahmebedingungen für die Verlosung kannst du hier nachlesen.

Showing 5 comments
  • Anke von Heyl
    Antworten

    Liebe Anett,

    ich hab dich ja schon auf Instagram verfolgt. Wahnsinns-Bilder, die du mitgebracht hast aus Island.

    Die Murals sind schon toll. In Köln haben wir ja seit City Leaks auch immer neue großformatige Wandbilder, die „offiziell“ entstanden sind.

    Ich mag das, bin aber persönlich mehr ein Fan von dem subversiven der Street-Art, die plötzlich über Nacht auftaucht. Und der man dann in der Stadt immer mal wieder begegnet.

    Auf jeden Fall belebt es eine Stadt, gibt den oft grauen Fassaden ein Gesicht. Und erzählt Geschichten. Besonders berührend fand ich die mit dem Gesicht des Großvaters. So etwas ist toll.

    Coole Idee mit der Verlosung. Mal sehen, ob ich etwas beisteuern kann.

    Herzlichst
    Anke

    • Anett Ring
      Antworten

      Hallo Anke,
      in Island tolle Bilder zu machen, war ganz einfach. An wirklich jeder Ecke und in jeder neuen Landschaftsperspektive gab es Neues, Spannendes zu entdecken. Ein wunderbares Land, das auch noch voller Geschichten und Sagas steckt!
      Deine Vorliebe für die klassischen Graffitis, die quasi „über Nacht“ entstehen, kann ich gut nachvollziehen. Großformatige Wandbilder, die ja zum Teil ganze Fassadenflächen einnehmen, sind so nur schwer zu realisieren. Zum einen natürlich, weil sie einfach viel mehr Zeit oder eine Sprayer-Crew benötigen, zum anderen, weil sie auch anderer Techniken benötigen. Aber dazu mehr am Freitag… 🙂
      Liebe Grüße,
      Anett

  • Lu
    Antworten

    Liebe Annett,
    ich hätte nicht gedacht, dass es in Reykjavik so schöne Street Art gibt. Wieder was gelernt und ein weiterer Grund da endlich mal hinzufliegen. Danke auf jeden Fall für diesen schönen Artikel und die Geschichte mit dem Großvater, die bei mir auch gerade ein bisschen Gänsehaut verursacht.
    Liebe Grüße
    Lu

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