Wie viel München passt in drei Tage?

Blau-weiß strahlte der Himmel und signalisierte mir damit, dass es endlich wieder so weit war.

Die Gelegenheit war günstig, die innere Unruhe groß und auch die Perspektive musste neu geschärft werden. Meine Arbeit fand in einem großen Rucksack Platz und ich im ICE nach München.

Die folgenden sechs Stunden tünchten Jack Johnson, Emilíana Torrini und Brooke Fraser, die Firmeninterna meiner Sitznachbarn in entspannte Takte. Nach einer unruhigen und (bereits im Vorfeld) problematischen Fahrt mit der Bahn, konnte ich mit einsetzender Dunkelheit den Zug und die leeren Blicke der Geschäftsreisenden verlassen. Meine Gute-Laune-Kurve erholte sich, die Vorfreude kam zurück.

Dank eines Telefonjokers war auch die richtige U-Bahn schnell gefunden und die kurze Fahrt zu meiner Unterkunft sehr entspannt. Für die nächsten Tage hatte ich mich – nicht zum ersten und hoffentlich auch nicht zum letzten Mal – bei meiner lieben Schwester einquartiert. Ich versorgte ihre Blumen, während sie europäische Überseedepartements umsegelte. Wer teilt, nimmt Anteil.

Auch wenn ich mehrere Wochen blieb, musste ich meinen Rhythmus auf Arbeitsniveau halten. Wie viele andere Städtereisende auch, stellte ich mir die Frage, wie viel München ich binnen kürzester Zeit sehen konnte? Meine Pläne wurden direkt in die Tat umgesetzt und ich beschloss meinen Projekten drei Tage Erholung von mir zu gönnen. Eine Freundin schloss sich für ein verlängertes Wochenende an.

Da wir mit Fernbus bzw. Bahn anreisten, entschieden wir uns in München für die öffentlichen Verkehrsmittel. Das Netz ist gut ausgebaut, auch wenn wir von Berlin sehr viel kürzere Taktzeiten gewohnt sind. 10 Minuten Wartezeit sind aber im Urlaub ok.
Für drei Tage und zwei Personen bieten sich das Gruppen-Tagestickets Innenraum für 27,10 Euro an. Da wir am ersten Tag nur zwei kurze Strecken fahren mussten, buchten wir Freitag zwei Einzelfahrten (pro Person 2,70 Euro) und Samstag und Sonntag jeweils ein Gruppen-Tagesticket Innenraum (je 11,70 Euro für bis zu 5 Personen).
Tarifdetails, aktuelle Preise, Handytickets, praktische Apps für den ÖPNV in München & Umland und natürlich auch Hinweise zum Fahrplan, findest du auf der Website des Münchner Verkehrs- und Tarifbundes MVV.

Bei wärmeren Temperaturen bietet sich in München das Fahrrad fahren an. Es gibt kaum Berge und ein gut ausgebautes Fahrradwege-Netz. Vor allem das Radeln an der Isar macht richtig Spaß und kann mit einem Picknick gekrönt werden.

Tag 01. Ein Spaziergang durch die Münchner Altstadt

Den Freitag Nachmittag begannen wir mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die Münchner Innenstadt. Das Wetter war uns hold und so konnten wir Mitte Februar Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen verzeichnen.

Mit der U-Bahn fuhren wir zum Sendlinger Tor, dem südlichsten Stadttor der Münchner Altstadt. Heute ist das Sendlinger Tor einer der (vielen) zentralen ÖPNV Knotenpunkte in München und damit ideal für den Beginn eines Spaziergangs.

Über die Sendlinger Straße liefen wir Richtung Norden und – abgelenkt durch die Eindrücke des Alltags – fast an der Asamkirche vorbei. Sie „versteckt“ sich etwas in der Straßenflucht, macht diese Zurückhaltung durch ein wuchtiges Portal und die reichen, barocken Verzierungen wieder wett. Wir hatten Glück und konnten noch Orgel-Musik lauschen, während uns die grenzenlosen Verzierungen, Gemälde und Plastiken im Innenraum der Kirche visuell erschlugen. Auf gerade einmal 8 mal 22 Metern gaben die Baumeister alles, was Spätbarock und Rokoko hergaben.

Nach so viel goldenem Zierwerk brauchen unsere Augen (und Ohren) dringend etwas Erholung, die wir am Jakobsplatz finden. Das Jüdische Museum, die Hauptsynagoge und das angrenzende Gemeindehaus bilden seit 2006 das Jüdische Zentrum München. Die Entwürfe für das Ensemble stammen aus der Feder des Büro Wandel Hoefer Lorch Architekten, die hierfür mit dem Deutschen Städtebaupreis (2008) erhielten und eine Auszeichnung bei der Vergabe des Deutschen Architekturpreises (2011).

Der Jakobsplatz wird von der golden schimmernden Hauptsynagoge dominiert, die baulich zwischen einem stabilen Kubus und fragilen Details zu schwanken scheint. Im gegenüberliegenden Jüdischen Museum geht der öffentliche Raum durch ein vollverglastes Erdgeschoss in das Foyer des Museums über. Am Platz befindet sich noch das Filmmuseum und das Münchner Stadtmuseum, dessen beeindruckend vielfältigen Museumsshop wir ausgiebig erkundeten.

Anschließend gönnten wir uns am Viktualienmarkt ein (vollkommen überteuertes) Abendessen. An dieser Stelle würde sich aber auch ein Abstecher in die Schrannenhalle anbieten, wo ein Mix aus Feinkost, Gastronomie, Wohn- und Küchenaccessoires angeboten wird.

Nach dem Essen ging es für uns weiter Richtung Marienplatz, dem Zentrum Münchens. Vom Viktualienmarkt aus kommend passierten wir das Alte Rathaus, um kurz danach vor dem Neuen Rathaus zu stehen.
Zwei Rathäuser, an einem Platz? Richtig gelesen!
Lange Zeit gab es nur ein Rathaus, das Mitte des 19. Jahrhunderts aus Platzmangel um ein weiteres Gebäude ergänzt werden sollte. Den Ideenwettbewerb für das Neue Rathaus gewann der Architekt Georg Hauberrisser, der bis zur Eröffnung 1909 auch für die Umsetzung und Umplanungen (der erste Entwurf bot immer noch zu wenig Platz J ) verantwortlich war. Hauberrisser ließ sich für den Entwurf des neuen Rathausturmes, deutlich vom spätbarockem Rathausturm in Brüssel „inspirieren“. Heute befindet sich neben der Stadtverwaltung, auch die Stadtinformation / Touristeninformation im Neuen Rathaus.

Der Marienplatz ist ein weiterer Verkehrsknotenpunkt mehrerer U-Bahn und S-Bahn-Linien, so dass sich diese Station ebenfalls als Ausgangspunkt für Stadtbesichtigungen eignet. Im Moment wird der unterirdische Bahnhof nach den Plänen des Architekturbüros Allmann Sattler Wappner im laufenden Betrieb saniert, was besonders zu verkehrsstarken Zeiten für etwas Verwirrung sorgen kann. Der Umbau soll jedoch noch 2015 abgeschlossen werden. Kostenloses W-LAN ist am Marienplatz ebenfalls verfügbar.

Nachdem wir uns mit neuem Infomaterial versorgt hatten, ging es für uns weiter Richtung Frauenkirche (richtig: Dom zu Unserer Lieben Frau). Dort begutachteten auch wir den Teufelstritt, ein Fußabdruck am Boden der Eingangshalle, welcher laut einer Sage vom Teufel stammen soll. Man sagt, der Baumeister habe mit dem Teufel um seine Seele gewettet, dass man in der Kirche kein Fenster sehen könne. Als der Teufel sich nun heimlich in die Kirche schlich, um den Bau zu begutachten, stampfte er vor Freude fest auf und hinterließ jenen Fußabdruck. Er stand an ebendieser Stelle, von der aus bis Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich kein Fenster zu sehen war.
[Mach einen virtuellen Rundgang durch die Frauenkirche.]

 

Von der Frauenkirche ging es zu Fuß zur 5 Höfe Passage. Hier haben die Architekturbüros Herzog & de Meuron, Ivano Gianola und 
Hilmer & Sattler ein historisches Stadtquartier zu einem modernen Kleinod zwischen Kunst, Kultur und Kommerz umgestaltet. In der Passage wechseln sich unterschiedlich gestaltete Innenhöfe und Passagen ab, in denen auch mal eine riesige, geflochtene Stahlkugel oder hängende Gärten über unseren Köpfen schwebten. Mein Herz verlor ich kurz an all die schönen Dinge im muji– und im Magazin-Shop in der Prannerpassage.

Kurz vorher zog mich meine Reisefreundin raus in die Abendluft. Unseren Spaziergang beendeten wir an der Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Die klassizistische Loggia (offene Halle) wurde von Friedrich von Gärtner, einem Hofarchitekten König Ludwig I., erbaut und dem bayrischen Heer gewidmet. Traurige Berühmtheit erlangte sie auch während der NS-Zeit, in der sie als Propaganda-Instrument diente. An der östlichen Seite der Feldherrnhalle wurde eine Tafel mit den Namen von „Blutzeugen“ (gefallenen Nationalsozialisten) angebracht, die jeder vorbeikommende Passant mit dem Hitlergruß ehren musste. Um diesen „Heldenkult“ zu entkommen, gingen viele Passanten hinter der Feldherrnhalle von der Residenzstraße über die „Drückebergergasse“ (Viscardigasse) in die Theatinerstraße und gelangten so ohne Hitlergruß zum Odeonsplatz.


 

In den nächsten Tagen werde ich dir mehr Reisetipps für München geben und von meinen Erlebnissen vor Ort berichten. Wie du vielleicht schon bei Twitter gelesen hast, hatte ich leider meine DLSR-Kamera zu Hause vergessen und konnte nur mit dem Handy knipsen. Deshalb habe ich dir zusätzlich Galerien bei flickr. zusammen gestellt.

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Showing 3 comments
  • Alexandra
    Antworten

    Liebe Anett !

    Danke für deinen Reisebericht. Hach, was habe ich Sehnsucht nach München. Jetzt ist der letzte Besuch schon über 2 Jahre her (Dezember 2012) und damals hatte ich auch 2 „Untermieter“ mit.

    Mit München verbinde ich vor allem brennende Füße. Zeitig in der Früh bin ich schon zum Viktualienmarkt gegangen, danach auf ein Frühstück zum Dallmayr. Gerade in der Früh ist es schön zu sehen, wie die Stadt erwacht. Nachdem ich die Innenstadt unsicher gemacht habe und neben Dom alle andere Kirchen und Kunsthalle besucht habe (und natürlich shoppen !!!), bin ich oft gegen 14.00 h wieder im Hotel gewesen. Die Füße kurz hochgelagert und dann ab zu den Museen (va Pinakotheken).

    Freue mich auf weitere Berichte 🙂

    Liebe Grüße
    Alexandra

    • Anett Ring
      Antworten

      Hallo Alexandra,

      schöne Erinnerungen hast du an München! Ich mag die Stadt mittlerweile sehr gern, sie scheint so unentschieden zwischen Großstadt und Landleben. Leider ist sie manchmal auch etwas oberflächlich und ich brauchte etwas Zeit, bis ich mit München warm geworden bin. Was geholfen hat: ich kenne nur liebe Menschen vor Ort 🙂

      Liebe Grüße ins schöne Wien,
      Anett

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