Bunter Plan 02: Tage wie saure Drops

Es gibt Sekunden in denen du weißt, dass sie dein Leben verändern werden. Sie sind der Punkt X, zu dem es nur ein „davor“ und ein „danach“ geben kann.

davor

Ein bisschen zu großkotzig hatte ich den Verkäufer im Süßwarenladen gefragt, welches seine sauerste Süßigkeit sei. Er gab mir den sauersten Drops den ich lutschen konnte. Fragte mich, ob ich mir wirklich sicher sei… Na klar! Den einen, genau diesen einen wollte ich probieren! Grüner Apfel – das erschien mir sauer genug. In den ersten Sekunden spürte ich noch die glatte, süße Zuckerschicht auf meiner Zunge. Leichtes Apfelaroma, bevor sich meine Zunge zusammen zog und nur wenig später meine gesamte Kehle. Ich lachte angestrengt. Mit der Säure stieg mir auch das Blut in den Kopf.

Mein Telefon zeigte über zehn Anrufe in Abwesenheit an. Ich erstickte fast an dem was ich wusste, noch bevor ich es wusste. Es war klar, dass dieser Augenblick kommen würde. Der Moment in dem mein Herz vor meinem Kopf nicht mehr Halt machen konnte.
Ich versuchte mir einzureden, dass sie mich nur sprechen wollten. Ich hatte mich seit Tagen nicht gemeldet. Ohne Handyempfang waren wir über 2 Tage in einem heftigen Schneesturm eingeschlossen. Auf dem Weg zum Gletscher gerieten wir in ein weiteres Unwetter, das grollend, blitzend und donnernd über dem engen Tal hing, in dem wir eigentlich wandern wollten. Niemand wusste wo wir waren, ich vergaß es selbst gelegentlich.
Aber es half nichts. Ich wählte ihre Nummer. Immer und immer wieder. Und mit jeder Stunde in der ich niemanden erreichte, machte sich größer und immer-größer-werdende Unruhe in mir breit.

Ich versuchte die letzten Momente einer schwerer werdenden Reise zu genießen.

Wir verbrachten den Tag in Queenstown, der wohl aufregendsten Stadt in Neuseeland. Schlängelten uns von Geschäft zu Geschäft und machten Bilder, die ich später niemanden zeigen würde. Wir probierten Chicken-Powder auf Pommes und kauften T-Shirts für unsere Liebsten daheim. Schlenderten der Promenade entlang und erfreuten uns an der verzaubernden Mischung aus Sonne und Schnee. Wir standen vor einem Süßwarenladen, dachten kichernd an den sauren Drops zurück, als mein Telefon mich wieder in die Realität zurück holte.

1 Sekunde

Drei Worte, dann nur noch Rauschen in meinen Ohren. Meine Welt lief Amok bis sie ruckartig stehen blieb.

Meine Kehle schnürrte sich zum zweiten Mal an diesem Tag zu und mein Herz machte es ihr nach. Ich bekam keine Luft mehr, erstickte an ihren Worten. Ich ahnte seit Monaten, dass dieser Augenblick kommen würde. Vielleicht schon seit Jahren. Die Welt um mich herum verblaste, die nächsten Tage verschwanden im Nebel. In grau-blauem Matsch und viel zu grellem Gelb.

danach

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