Fotoserie: Architektur in Kopenhagen (Teil 1)

Wenn du erstklassige Bauwerke sehen möchtest, dann solltest du nach Kopenhagen fahren! Dort gibt es nicht nur moderne und zeitgenössische Architektur zu sehen, sondern auch historische Bauten aus den letzten Jahrhunderten. Trotz neuer Stadtentwicklungsprojekte büßt Kopenhagen nichts von seinem historischen Charme ein.

Im Sommer bin ich drei Tage lang mit einem E-Bike durch Kopenhagen gedüst und habe die hochsommerlichen Temperaturen (32 Grad!), aber noch mehr den frischen Meereswind genossen. Die Dänen sind weltweit nicht nur die glücklichsten Menschen (2013), Kopenhagen ist auch eine der teuersten Städte der Welt (2013). Superlative können sie also und beweisen dies auch bei ihrem Städtebau und in der Architektur.

derübersichthalber Im ersten und zweiten Blogbeitrag nehme ich dich mit auf Entdeckungsreise durch die Innenstadt von Kopenhagen, in den Stadtteil Indre By. Im dritten Teil zeige ich dir, welche historische und moderne Architektur ich in Amager, Vesterbro und der Kommune Frederiksberg entdeckt habe. Nørrebro und Østerbro könnten gegensätzlicher nicht sein. Im viertel und letzten Artikel erzähle ich dir, was ich dort alles aufgestöbert habe.

Wundertüte: Architektur in Kopenhagen (Fotoserie, Teil 1)

Kopenhagen war ein bisschen wie eine Wundertüte. Wir haben uns treiben lassen und das genossen, was die Stadt und das Leben im Moment für uns bereit hielten. Drei Tage haben vollkommen gereicht, um mich vollständig zu flashen und gleichzeitig zu entspannen. Vielleicht fiel es mir deshalb so lange so schwer, all meine Eindrücke in einen Blogbeitrag zu packen? Nun soll es aber endlich soweit sein und ich sag’s gleich vorne weg: Kopenhagen ist mehr als eine Kurzreise wert!

#1 Architektur in der Freistadt Christiania

Böse Zungen werden jetzt behaupten, dass die Entspannung mit einem süßlichen Duft einher kommt. Aber allein die pure Existenz einer autonomen Gemeinde zeigt viel von der Weltoffenheit Kopenhagens. In der Freistadt Christiania findet man sehr individuelle Architektur mit ihrer ganz eigenen Schönheit und pitoresken Eleganz.

Christiania befindet sich auf einem ehemaligen Kasernengelände, direkt auf der ehemaligen Wallanlage Kopenhagens und wurde 1971 von den Nutzern als Freistaat ausgerufen. Die alten Kasernengebäude wurden von den Bewohnern sehr individuell angepasst und umgebaut.

Fotografieren ist auf weiten Teilen des Geländes nicht erlaubt und bei unserem Besuch fand zudem ein Festival (mit entsprechenden Menschenmengen) statt. Deshalb habe ich dir den Trailer zu einer Dokumentation über die Freistadt herausgesucht, damit du ein Gefühl für das besondere Lebensgefühl in Christiania bekommst. Die Dokumentation ist mehrfach preisgekrönt, aber leider noch nicht als DVD oder Full-Stream erschienen – ich sag Bescheid, sobald es soweit ist.

#2 For-Frelsers-Kirke

Auf dem Weg zur Freistadt Christiania besuchten wir auch die For Frelsers Kirke (Erlöserkirche) im Stadtteil Indre By. Bereits von außen wird der hohe Besucheransturm auf diese Kirche klar. Der spindelförmige Glockenturm thront über der barocken Kirche und raubt seinen Besuchern den Atem. Nicht nur, dass man 90 Meter hinauf klettern muss, der Turm schwankt auf Grund seiner hölzernen Konstruktion auch sanft im Wind. Diese Mutprobe bestehe ich nicht. Stattdessen machte ich mich auf die Suche nach den Elefanten in der Kirche. (Achtung, Spoiler: KLICK)

Baujahr: 1696 (Kirche), 1752 (Glockenturm)
Baustil: niederländischer Barock
Architekten: Lambert van Haven (Kirche), Lauritz de Thurah (Glockenturm), Nicodemus Tessin d. J. (Altar)

Dänische Königliche Bibliothek und der Schwarze Diamant in Kopenhagen | © Anett Ring
Schwarzer Diamant in Kopenhagen | © Anett Ring
Schwarzer Diamant in Kopenhagen | © Anett Ring

#3 Der schwarze Diamant (Königliche Bibliothek)

Direkt an Kopenhagens Ufer steht Den Sorte Diamant („Der schwarze Diamant“), ein Gebäude der Dänischen Königlichen Bibliothek. Durch ein imposantes Foyer und die Christians-Brygge-Straße wird der monolithische Bibliotheksneubau in drei Teile gespalten. An diesen Stellen wird die Fassade aus schwarzen, poliertem Granit durch eine transparente Glasfassade aufgeschlossen, was einen schönen Kontrast zueinander bildet und dennoch das Gebäude als solches zusammen hält. Ein weiterer Anbau schlängelt sich entlang des Ufers Richtung Norden: Fisken, also der „Fisch“.

Baujahr: 1999
Baustil: Zeitgenössisch
Architekten: schmidt hammer lassen architects

Schwarzer Diamant und Dome of Visions in Kopenhagen | © Anett Ring
Dome of Visions in Kopenhagen | © Anett Ring

#4 Dome of Visions

Die Halbkugel des Dome of Visions ist ein schöner Kontrast zur recht scharfkantigen Architektur des schwarzen Diamanten, in dessen direkter Nachbarschaft sie steht. Mit der alternativen Architekturform möchte man einen Leerraum der Stadt nutzen, um über die Zukunft des Bauens und Wohnens zu philosophieren. Ganz besonders widmet man sich dabei den Umweltthemen (Energie, Baumaterialien, Integration in die Natur…). Wie du im Video siehst, findet dort aber ganz unterschiedliche Veranstaltungen statt: Konzerte, Lesungen, Seminare und vieles mehr.

Ursprünglich sollte der Dome of Visions nur ein kurzes, temporäres Projekt sein. Das war 2013.

Baujahr: 2013
Baustil: Visionär 🙂
Architekten: Kristoffer Tejlgaard + Benny Jepsen

Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen | © Anett Ring
Detail der Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen | © Anett Ring

#5 Ny Carlsberg Glyptotek

Nach ausgiebigen Streifzügen durch die Stadt, haben wir vor der Ny Carlsberg Glyptothek die lauen Sommerabende genossen. Aber auch im Inneren hat das Kunstmuseum einiges zu bieten. Besonders außergewöhnlich ist der Tropengarten, der sich unter einer großen Glaskuppel in der Mitte des Museums befindet. Die riesigen Palmen, tropischen Grünpflanzen und plätschernden Brunnen sind der ideale Ort für eine Pause. Dieser Wintergarten ist ein Anbau an das ursprüngliche Gebäude von 1897 und stammt aus der Feder des Architekten Vilhelm Dahlerup. Einen weiteren Gebäudeteil ergänzte der Architekt Hack Kampmann nur wenige Jahre nach der Eröffnung. 1996 erfolgte eine Erweiterung durch den bekannten dänischen Architekten Henning Larsen.

Baujahr: 1897, 1906, 1996
Baustil: Historismus, Neoklassizismus, Moderne
Architekten: Vilhelm Dahlerup, Hack Kampmann, Henning Larsen

#6 SAS Hotel

Wenn du dich für dänisches Design interessierst, hast du sicherlich schon etwas vom SAS Hotel (früher: Royal Hotel) und/oder vom Architekt Arne Jacobsen gehört. Das 5-Sterne-Hotel ist als das weltweit erste Designer Hotel bekannt und wurde von Arne Jacobsen nicht nur architektonisch geplant und realisiert, sondern auch eingerichtet. Für das Mobiliar entwarf Jacobsen zum Beispiel die Sofaserie 3300, den Tropfen-Stuhl und den Schwan und das Ei.

Ganz typisch für die damalige Zeit ist die Vorhangfassade, also die Fassadenkonstruktion des Hotelturms. Mittels einer Unterkonstruktion aus Aluminiumprofilen sind die grüngrau-eloxierten Glasscheiben vor das Gebäude gehängt.

Skurril: die Fluggesellschaft SAS hatte den unteren Gebäudeteil ursprünglich als Terminalhalle genutzt und die Flugpassagiere mit Shuttlebussen zum Flughafen gefahren.

Baujahr: 1960
Baustil: Internationaler Stil
Architekt: Arne Jacobsen

Warst du schon in Kopenhagen?

Und hast Bock deine Fotos mit uns zu teilen? Dann zeig sie uns bei Twitter und Instagram. Nutze den Hashtag #StadtsatzCPH und markiere mich mit @stadtsatz

Die schönsten Fotos werde ich hier auf dem Blog zeigen!

About
Hej, ich bin Anett Ring. Freie Architekturjournalistin, Master of Arts in Architektur und Geek mit Fundament. Ich schreibe, skizziere und hinterfrage. Architektur ist mein Wortschatz. Baukultur und Welterbe spreche ich fließend. Häuser baue ich nicht, aber Websiten für Architekten. Auf anettring.de erfährst du mehr darüber.
Showing 5 comments
  • Alex
    Antworten

    Liebe Anett !

    Ein wunderschöner Beitrag !

    Freuen uns auf Teil 2 😉

    Liebe Grüße
    Alex

    • Anett Ring
      Antworten

      Danke Alex! Ich freue mich, dass dir der Blogbeitrag gefallen hat. Der zweite Teil steht schon in den Startlöchern 🙂 Warst du schon in Kopenhagen? Viele Grüße, Anett

  • Marcus
    Antworten

    Klasse Beitrag, würde ich gerne auf einem Architektenbrief verlinken. Wann kommt der 2. Teil? Ich weiss, du sitzt grad an der architektur-studieren.info 😉

    lg Marcus

    • Anett Ring
      Antworten

      Hallo Marcus, danke für dein Lob. Ja, stimmt. Ich sitze in der Tat gerade verstärkt an architektur-studieren.info 🙂 Der zweite Teil ist aber fast fertig, sollte also nächste Woche (endlich!) online gehen. Wenn du möchtest, schreib mir eine E-Mail, um welchen Architektenbrief es sich handelt (und ob ich ihn auch lesen kann/darf?). Verlinken darfst du natürlich gern. Viele Grüße, Anett

      • Stadler
        Antworten

        Hallo Anett,

        ich habe dir gerade eine E-Mail an deine info Adresse geschickt.

        Viele Grüße
        Marcus

Ich freue mich auf dein Feedback!