Cabins von Philip Jodidio – Minimalismus in der Architektur

„Cabins“ von Philip Jodidio

Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen könnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussagen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde. Ich wollte einen breiten Schwaden dicht am Boden mähen, das Leben in die Enge treiben und auf seine einfachste Formel reduzieren.“ –  Henry David Thoreau

– mit diesen Worten des Schriftstellers Henry David Thoreau nimmt mich Philip Jodidio, gleich auf den ersten Seiten seines Buches „Cabins“*, mit auf eine Exkursion über gebaute Lebensphilosophie. Unsere Reise ist geprägt ist von der Sehnsucht nach persönlicher Freiheit und Rückkehr auf das Wesentliche. Philip Jodidio widmet sich in „Cabins“ dem Minimalismus in der Architektur. Dieser erfährt seinen größtmöglichen Ausdruck in Form kleiner Hütten in der Natur.

Cover der englischen, deutschen und französischen Ausgabe "Cabins" von Philip Jodidio, © TASCHEN

Cover der englischen, deutschen und französischen Ausgabe „Cabins“ von Philip Jodidio, © TASCHEN

Fit to entertain a traveling god

Inspiriert von Le Corbusier’s „Le Cabanon“ am Cap Martin in Frankreich und Henry David Thoreau’s Hütte am Walden Pond* ( Mehr Informationen Mit achtundzwanzig Jahren zieht sich Henry David Thoreau an den Walden-See in den einsamen Wäldern von Massachusetts zurück, um fern aller Zivilisation ein Leben im Einklang mit der Natur zur erproben. Der Bericht seines radikalen Selbstexperiments ist zum Klassiker und Kultbuch des alternativen Lebens geworden. ) in Massachusetts, sammelte Jodidio 61 kleine Behausungen, die auf die Mindestanforderungen im Wohnen reduziert sind und dennoch keinen Luxus vermissen lassen. Sie stehen beispielhaft für die große Anziehungskraft von kleinen Gebäuden und erinnern mich an die Geborgenheit in den selbst gebauten Buden und Höhlen meiner Kindheit.

Neben den Hütten, stellt uns Philip Jodidio die verschiedenen Absichten der Architekten und Bauherren hinter den kleinen Gebäuden vor. „In Zeiten wirtschaftlicher Krisen und immer größer werdender Zweifel an einem auf Konsum basierenden Gesellschaftsmodell sind Hütten auch deshalb beliebt, weil sie für die Suche nach einem weniger beschwerlichen und zerstörerischen Lebensstil stehen.“ So wundert es nicht, dass vielfach Umweltbewusstsein und Umweltschutz – sei es durch die Wahl der Baumaterialien oder der Einbindung der Hütten ihre Umgebung – bei den Entwürfen im Vordergrund standen. Auch in ihrer Nutzung variieren die Hütten. Sie dienen meist als private Zufluchtsorte in der Natur, einige andere werden beispielsweise als Hotelanlagen, Künstlerateliers oder Notunterkünfte genutzt.

In-Tenta, DROP Eco-Hotel, © estudibasic, Manel Duró and Marta Gordillo

In-Tenta, DROP Eco-Hotel, © estudibasic, Manel Duró and Marta Gordillo

Beeindruckend ist auch die Bandbreite der Architekturformen und die unterschiedliche Gestaltung der Hütten. Viele sind auch in ihrer Form auf schlichte geometrische Formen reduziert und verkörpern damit die Reduktion auf das Wesentliche durch ihr äußeres Erscheinungsbild. „Maximale Ausnutzung eines Raumes, der nur mit dem Notwendigsten ausgestattet und von allem Überflüssigen befreit ist“, war auch das erklärte Ziel beim Entwurf des nur 9 Quadratmeter kleinen Nido (Sipoo, Finnland, im Buch Seite 290) – eine der kleineren Hütten im Buch. Die Kleinste, mit nur sieben Quadratmetern Grundfläche, ist die „Outlandia Fieldstation“ von London Fieldworks Architects (im Buch Seite 296). Das Baumhaus wurde als Treffpunkt für künstlerische Zusammenarbeit geplant.

TYIN, Boathouse, © Pasi Aalto /TASCHEN

TYIN, Boathouse, © Pasi Aalto /TASCHEN

Es wurden weltweit Hütten ausgewählt und im Buch in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Wer sich einen Überblick über die Lage der Hütten verschaffen möchte, kann die Übersichtskarte am Anfang des Buches zu Hilfe nehmen. Am Ende des Buches sind alle Architekten und ihre Vita aufgelistet. Ergänzt wird das Buch durch die kantigen und farbenfrohen Illustrationen von Marie-Laure Cruschi.

Ausgewählte Projekte

Bild oben: Drop Eco-Hotel von In-Tenta, 25qm. Unterschiedliche Standorte. (im Buch Seite 134)
Transportables Hotelzimmer aus modularen Holz- und Stahlelementen. Beim Design wurde stark darauf geachtet, die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Regenwassersammelanlage sind Bestandteil dieses Konzeptes.

Bild unten: Boathouse von TYIN, 77 qm. Aure, Møre og Romsdal – Norwegen. (im Buch Seite 40)
Das Bootshaus von TYIN ersetzt einen Vorgänger aus dem 18. Jahrhundert. Für den Bau wurden typisch, norwegische Baumaterialien, wie zum Beispiel Fichtenholz, verwendet und alte Fenster eines nahegelegenen Bauernhauses recycelt. Bandfenster die sich über das Dach und die Wände ziehen, lassen natürliches Licht in das Bootshaus und unterstützen die schlichte, moderne Gestaltung.

 

Fazit: Facettenreich und inspirierend! Wundervolles Buch, dass die verblüffende Vielfalt der Gestaltungen kleiner Hütten aufzeigt und zum Träumen einlädt.

Fakten: Hardcover, 24,2 x 31,7 cm, 464 Seiten, TASCHEN Verlag, € 49,99

ISBN: 978-3836550260

Erhältlich, zum Beispiel bei Amazon: http://amzn.to/1xNo7Bp *

Weiterlesen: Schau dir auch mal den Bildband „Tree Houses“* an, in dem Philip Jodidio die Vielfalt der Architektur von Baumhäusern vorstellt (49,99 €, TASCHEN Verlag). Erhältlich, zum Beispiel bei Amazon: http://amzn.to/1v3NamA *

 

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