Buchtipp: Frei Otto | stadtsatz.de

 In Meine Buchempfehlungen., Mit Architektur und Baukultur.

„Ich habe wenig gebaut. Ich habe aber viele „Luftschlösser“ ersonnen.“

Mit diesem Zitat beginnt das Geleitwort des Architekten Frei Otto in seiner Biographie „Frei Otto. Forschen, bauen, inspirieren.“* Dieses Buch erschien im Mai 2015, also nur wenige Wochen nach seinem Tod und der posthumen Ehrung mit dem Pritzker-Preis.

„Frei Otto. Forschen, bauen, inspirieren.“

Wie ich bereits in einem Kurzbeitrag über Mies van der Rohe erwähnte, kann ich mich normalerweise nicht für Architekturbücher begeistern, die ihren Fokus auf einen einzelnen Architekten legen. Bei der Biographie über den Architekten Frei Otto war das von Anfang an anders.

Allein die Haptik des Buchumschlages lässt darauf schließen, dass hier nicht nur einfach Frei Ottos Architektur vorgestellt wird, sondern der Anspruch der Autoren, Irene Meissner und Eberhard Möller, und des Verlages viel höher liegt. Das Architekturbuch glänzt von außen metallisch wie Silber, fasst sich aber leicht seidig an. Auf dem Cover werden die Wetterschutzschirme gezeigt, die Frei Otto 1977 für die Konzerttournee von Pink Floyd konstruierte und die ein fester Bestandteil der Bühnenshow waren.

Auch inhaltlich unterscheidet sich das Buch von anderen Biographien: Frei Ottos Forscher- und Erfindergeist steht zwar thematisch im Mittelpunkt, es wird aber auch ausführlich darüber berichtet, wie er Generationen von anderen Architekten inspirierte. Besonders interessant ist dabei der Aspekt, dass Frei Otto wenig auf sein Urheberrecht pochte, obwohl „seine Ideen teils sehr unmittelbar aufgegriffen“ wurden. (S. 29) Der japanische Architekt Kawaguchi berichtet (S.26), dass Frei Otto sagte

Hier gibt es keine Geheimnisse. Was sie hier erfahren, können Sie gerne mitnehmen.

Im Buch stechen auch die zahlreichen Fotografien, Skizzen und Zeichnungen stark heraus. Insbesondere die Skizzen und Fotografien seiner Architektur-Modelle geben die Konzepte der Konstruktionen von Frei Otto sehr gut wieder – was ganz typisch für diese Formen der Architekturdarstellung ist, aber gerne in anderen Architekturbüchern vergessen wird.

Abgerundet wird die Biographie über den Architekten Frei Otto, durch ein ausführliches Werkverzeichnis, eine Bibliographie, also eine Liste zu Veröffentlichungen von und über Frei Otto, sowie einen kommentierten Lebenslauf.

Worin unterscheidet sich das Werk von Frei Otto von jenen anderer Architekten?

Frei Otto ist er der einzige deutsche Architekt, der die drei renommiertesten Preise der Architektur erhielt: den Royal Gold Medal des Royal Institute of British Architects (RIBA), den Praemium Impriale und den Pritzker-Preis.

Er forschte unglaublich viel und hatte den offensichtlichen Drang, Architektur weiter zu entwickeln und neu zu konzipieren. Einen ähnlichen Forschergeist kennt man sonst nur von wenigen anderen Architekten.
Im Zentrum von Frei Ottos Forschungen standen die Suche nach leichten und natürlichen Konstruktionen, sowie die Erforschung von Prozessen, um eine leichte und anpassungsfähige Architektur zu entwickeln. Seine Visionen setze er vor allem als Zelte, Seilnetze, Gitterschalen und Pneus (Traglufthallen) um.

Zu den bekanntesten Bauten von Frei Otto zählen der Deutsche Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal und die Überdachung der Hauptsportstätten im Olympiapark München (1972), die er gemeinsam mit dem Architekturbüro von Günter Behnisch und anderen Spezialisten realisierte.

Frei Otto. Forschen. Bauen. Inspirieren.

Das Buch erschien im Mai 2015 als Hardcover in der Buchreihe Edition DETAIL, des DETAIL Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG. Es ist zweisprachig (Deutsch/Englisch) und enthält 128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. ISBN: 978-3-95553-252-9.

Erhältlich, zum Beispiel im DETAIL-Shop oder bei Amazon*.

Anett Ring
Hej, ich bin Anett Ring. Freie Architekturjournalistin, Master of Arts in Architektur und Geek mit Fundament. Ich schreibe, skizziere und hinterfrage. Architektur ist mein Wortschatz. Baukultur und Welterbe spreche ich fließend. Häuser baue ich nicht, aber Websiten für Architekten. Auf anettring.de erfährst du mehr darüber.
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Showing 2 comments
  • André Franke
    Antworten

    Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber war kürzlich in den Ökohäusern in Berlin, die auch von Frei Otto entworfen wurden. Dort habe ich einen Bewohner besucht, der mir das Projekt vorgestellt hat. Das war sehr interessant, weil Manfred Ruprecht (selber Architekt) von Frei Otto nicht sehr beeindruckt war. Gebaut in direktem Wortsinn und mit allen Komplikationen und Strapazen haben die Ökohäuser nämlich ihre Bewohner selbst. Den Ruhm geerntet hat dagegen Frei Otto. Aber seine Idee von einem Baumhaus (dazu gibt es übrigens auch einen Film) ist schon ziemlich genial. Mehr Infos zu dem Baumhausbesuch gerne auf meinem Blog unter „Zu Gast bei Manfred Ruprecht in den IBA-Ökohäusern am Landwehrkanal“.

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