Architektur & Berliner Mauer

 In Meine Buchempfehlungen., Mit Architektur und Baukultur.

Im vergangenen Jahr bin ich einen Großteil des Berliner Mauer-Radweges entlang gefahren. Oftmals merkte ich gar nicht, dass ich mich entlang der ehemaligen Grenze bewegte; die Natur hat sich vielerorts ihren Platz zurückerobert und 25 Jahre deutsche Einheit haben die Unterschiede zwischen Menschen und Gebäuden verblassen lassen.

Der Mauer-Radweg führt 160 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, rund um den westlichen Teil Berlins. Die Strecke verläuft zum Teil auf Kontrollwegen der DDR-Grenztruppen oder dem Westberliner-Zollweg. Man richtet seinen Kopf zu Boden, um anhand des doppelreihigen Pflasterstreifens den Mauerverlauf zu erkennen oder orientiert sich an den blauen Wegweisern. Unterwegs erinnern einige Informationspunkte an die Teilung Deutschlands, sowie den Bau und Fall der Berliner Mauer. Nur einzelne Mauerreste sind als stumme Zeugen der Teilung Deutschlands verblieben.

Hat sich in Berlin jene Umgestaltung räumlich manifestiert, wie sie Willy Brand am 10. November 1989 am Brandenburger Tor ausgesprochen hatte – „Nun muss zusammenwachsen, was zusammen gehört.“?

 

Architekturführer Berliner Mauer, © DOM Publishers

Im Architekturführer „Berliner Mauer“* nehmen uns Hans Wolfgang Hoffmann und Philip Meuser auf eine Spurensuche mit. Sie erzählen uns die Geschichten einzelner Schauplätze, zum Beispiel des ehemaligen Grenzverlaufes zwischen Engelbecken, Mariannenplatz und Schillingbrücke in Kreuzberg oder vom „Entenschnabel“, einem ehemaligen Hochsicherheitsstreifen in Frohnau (Am Sandkrug).

In den vergangenen Wochen habe ich mir mit diesem Buch kleine Spaziergänge entlang der ehemaligen Mauer zusammen gestellt. Mittels der abgedruckten QR-Codes und dem Navi meines Smartphone, war es auch als Ortsunkundige supereinfach, meinen Weg zu finden. Besonders spannend war es für mich, etwas mehr über die Orte in meiner direkten Umgebung zu lesen. Ich wohne an der Sonnenallee (kennt ihr alle, na klar, aus dem Film!) und natürlich bin ich schon zig Mal an der Oberbaumbrücke oder am Engelbecken gewesen. Aber ich muss gestehen, dass ich die Geschichte dieser Orte nicht bis ins Detail kannte.

Der Architekturführer „Berliner Mauer“ regte dazu an, wieder genauer hinzuschauen. Denn natürlich sind noch viele räumliche Relikte vorhanden, die stumm die Geschichte von der Teilung Berlins erzählen!

Als Architekt kennst du aber die klassischen Ost- bzw. Westberliner Strukturen: die Umsetzung der „16 Grundsätze des Städtebaus“ seitens der DDR – gut zu sehen an der Frankfurter Allee oder der Karl-Marx-Allee, „der letzte große europäische Boulevard der gebaut wurde“ (Aldo Rossi) – oder das neue Hansaviertel, welches im Rahmen der Interbau 1957 gestaltet wurde; Um nur die zwei bekanntesten städtebaulichen Modell-Projekte zu nennen.
Die räumlichen und baulichen Folgen der Trennung Berlins, werden noch lange zu spüren sein; Stadtplanung ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen von statten geht.

Im Architekturführer „Berliner Mauer“, sind die Vergleiche historischer Fotografien mit aktuellen Luftbildern besonders gut gelungen. Sie belegen anschaulich, wie sich das Stadtbild Berlins seit dem Fall der Mauer verändert hat. Auch Schauplätze abseits der Mauer werden beleuchtet – wie zum Beispiel das Ost-Berliner Zentrum am Alexanderplatz oder den Bahnhof Friedrichstraße. Infografiken und historische Karten von Andreas Martschenz runden diesen besonderen Architekturführer ab.

Fazit: Ein wirklich schöner Architekturführer! Er öffnet dir wieder die Augen und macht Lust, auch die anderen Architekturführer genauer unter die Lupe zu nehmen (siehe Infobox am Ende dieses Beitrags).

Wirf am besten selbst mal einen Blick ins Buch!

HARD FACTS

Hans Wolfgang Hoffmann / Philipp Meuser
Berliner Mauer Architekturführer
135 × 240 mm
176 Seiten, über 240 Abbildungen Softcover
ISBN: 978-3-86922-294-3 (deutsch)
Preis: derzeit 18,00 Euro

Erhältlich, zum Beispiel bei Amazon.


Interessierst du dich für die Architektur anderer Länder?

Der Verlag DOM Publishers bietet auch noch zahlreiche andere Architekturführer an. Neu erschienen sind z.B. Architekturführer zu Wien und New York / Manhattan. Es gibt aber auch Architekturführer zu „exotischeren“ Städten und Ländern, die es zu entdecken gilt, zum Beispiel Kasachstan, Südafrika (englisch), Kairo, Havanna, Taiwan, Usbekistan oder Pjöngjang (2 Bände).

Anett Ring
Hej, ich bin Anett Ring. Freie Architekturjournalistin, Master of Arts in Architektur und Geek mit Fundament. Ich schreibe, skizziere und hinterfrage. Architektur ist mein Wortschatz. Baukultur und Welterbe spreche ich fließend. Häuser baue ich nicht, aber Websiten für Architekten. Auf anettring.de erfährst du mehr darüber.
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  • […] DOM Publishers verlegt eine Vielzahl schöner Architekturführer zu unterschiedlichen Städten und Ländern. Sie werden von Architekten, Stadtplanern, Kunsthistorikern und Denkmalpflegern für (bau)kulturell interessierte Reisende verfasst. Historische und zeitgenössische Architektur werden ebenso beschrieben, wie Stadtentwicklungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Eine sorgfältige Projektauswahl und ein intensives Fachlektorat machen sie zu einem (lexikalischen) Nachschlagewerk. Neu erschienene Architekturführer: Kasachstan (48 EUR), Wien (48 EUR), New York / Manhattan (28 EUR), Istanbul (38 EUR), Sankt Petersburg (38 EUR), Kairo (38 EUR), Riga (48 EUR), Osnabrück (28 EUR), Venedig: Bauten und Projekte nach 1950 (38 EUR) Ausführliche Rezension “Architekturführer Berliner Mauer” (18 EUR): http://www.stadtsatz.de/architektur-berliner-mauer/ […]

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